#OVERRUN

Hubert Hasler

Vernissage 3.10.2019 7 pm
Ausstellungsdauer / Duration 4. – 26.10.2019

Overrun. Überrannt.

Sofort springt der (Hashtag-)Reflex der Besorgten an. Wer wird hier überrannt? Von wem in welcher Absicht? Im Chor: „Cui bono, cui bono?“ Wo gerade noch sattes Grün mit vermeintlich beängstigender Präsenz die Betrachtenden umgibt, tönt im nächsten Moment der im Baumarkt-Grün gehaltene Weltenfresser. Genüsslich saugt er schreddernd Neophyten mit industriell-unerbitterlicher Präzision und verwandelt, gleich neben den Fotografien Hubert Haslers, damit den Seinszustand der Pflanzen. Defragmentiert und aufgelöst, ihrer wachsenden Pracht beraubt, tauchen sie schließlich wieder am Boden auf. Dort kann man sie gefahrlos betrachten, von oben auf sie herabsehen und, wenn man sich denn die Mühe machen möchte, re-konfigurieren. Ein einfacher Handbesen reicht dafür. So wie fotografische Abbildungen Augenblicke zu bannen vermögen und dergestalt beherrschbar machen, entführt der Ausstellende das Floristische ins Bauliche hinein, ehe das Neophytische endgültig seine postmoderne Defloration durch den Häcksler erlebt. Doch ohne Außen kein Innen – Grenzziehungen bilden diskursiv-machtvolle und subjektive Akte ab. Entsprechend begibt sich der Künstler Hasler hinaus und nimmt das vermeintlich Nischenhafte in den Blick, um dort die Pflanzen zu finden, die am Wegesrand in unbeachteter, marginalisierter, manchmal auch als invasiv-gebrandmarkter Gegenwart wachsen. Ein gesamtheitliches Bild dieses biologischen dekonstruierten Imperalismus entsteht somit erst durch das aufmerksame Suchen und Finden, das Abbilden und Ausstellen sowie die Rezeption durch den Besucher dieses Prozesses.

Rudolf Inderst

Hubert Hasler zeigt Arbeiten aus der overrun Serie, entstanden sind die Arbeiten bei Artist in Residents Aufenthalten in Schöppingen, Reelkirchen (NRW-Kulturstiftung) und in Hamburg. Eine Installation aus gesammelten Wiener neophytischen Pflanzen wird bei der Eröffnung gehächselt und in die Stadt gekehrt.

“OVERRUN” illustrates the contradiction of the cliché of “lazy migrants”. Especially in the plant world, the neophytes presented themselves as overcrowded industrious newcomers.
Hubert Hasler discusses the intervention or attack. Neophytes are rooting in alien areas. More and more living beings from other habitats are permanently becoming involved with us. Experts believe that over the past 500 years, around 800 non-native animal and plant species have been introduced by humans and actively abandoned. These are often room and garden plants, which used to be mostly introduced by researchers in the name of the emperors. Today the spread of seeds is supported by various reasons, i.a. freight transport and travel facilitation of the globalized time.
Our culinary life would be very restricted without potatoes, tomatoes, corn, melanzani, apricots and others. Especially Austria would loose some of the national dishes, such as potato salad, if we were dealing with neophytes as severely as with refugees. How much have these strangers joined us, have we grown together over time, can we imagine our own culture without these plants? Figuratively, the artist disappears behind the intruders who supposedly take the space for him.

Denise Parizek, 2019