(Des)Orientierung *

Anderwald & Grond, Hoiss, Neunteufel

Kuratiert von Hubert Hasler

„Das Ding, dessen Natur dir völlig unbekannt ist, ist normalerweise das, was du finden musst, und es zu finden, ist eine Frage des Verloren-Gehens“[1]
Woran orientieren wir uns? Was gibt uns Halt, wenn der Boden unter unseren Füßen nachzugeben scheint oder wenn die Welt Kopf steht?*

Manchmal geht man selbst verloren, wenn auch nur bei der Suche nach dem nächsten Schritt.DiesesVerlorensein ist Hingabe,Auflösung,Immersion,gleichzeitig Handlung und Vorfall. Es trifft uns als Einzelperson, als Gemeinschaft und als Gesellschaft, ist Übergangsphase, Passage, und kündigt Veränderung an. In diesem Zustand des unsiche- ren Dazwischen müssen wir über uns selbst hinauswachsen, um unbekannte Möglich- keiten zu aktivieren. *

[T]o be lost is to be fully present, and to be fully present is to be capable of being in uncertainty and mystery.And one does not get lost but loses oneself, with the im- plication that it is a conscious choice, a chosen surrender, a psychic state achievable through geography.That thing the nature of which is totally unknown to you is usually what you need to find, and finding it is a matter of getting lost.” schreibt Rebecca Sol- nit in ihrem Buch 2005

erschienenen Buch A Field Guide to getting Lost.1
Orientiertsein ist ein subjektiver, kognitiver, geografischer und somatischer Zustand, der
durch Bewegung oder mit der Illusion von Bewegung erzeugt und verlassen werden kann. In der geplanten Ausstellung setzen sich drei unterschiedliche Positionen mit Aspekten der Wahrnehmung und jeweiligen Situationen von Orientierung und Deso- rientierung auseinander. * Sich im Material zu verlieren, um Gewohntes anders zu orientieren, ist der medienreflexive Ansatz von Peter Hoiss und seinem neuen Werk „FILTER“. *
Anderwald + Grond reflektieren in ihrer Fotoserie „Atlanten“ das unsichere Verhältnis des Menschen zur Welt.*

1Übers.:…verloren zu sein ist voll präsent zu sein, und voll präsent zu sein bedeutet, in der Lage zu sein, in Unsicherheit und Geheimnis zu leben. Und man verliert sich nicht, sondern verliert sich selbst, mit der Folge, dass es sich um eine bewusste Wahl, eine gewählte Hingabe, einen psychischen Zustand han- delt, der durch Geographie erreichbar ist. Das Ding, dessen Natur dir völlig unbekannt ist, ist normaler- weise das, was du finden musst, und es zu finden, ist eine Frage des Verloren-Gehens.*

Um den Diskurs zum Ausstellungsthema zu erwei- tern, werden weitere künstlerische Gesichtspunkte hinzugefügt. Es ist ein vernetztes Rahmenprogramm und ein erweiterter Artisttalks mit literarischen als auch musikalischen Beiträgen zum Ausstellungsthema geplant. Dafür sollen die Komponistin und Musike- rin Pia Palme (http://www.fragilityofsounds.org/) im Zusammenhang des artistic research project On the fragility of sounds und die Musikerin Molly McDolan (http://www.mollymcdolan.com/) angefragt werden.*