DA PAPA

Vera Klimentyeva

Kuratiert von Jan Gustav Fiedler

The three pillars of every person and every society are politics, religion and sex. The Russian artist Vera Klimentyeva combines them into a fourth, the pillar of art.
One of the main tasks of art, especially in politically charged times like this, is a creative reflection of current events. Accordingly, this concept will only define the scope of the exhibition in May 2020.
The shown art in the sense of a maximum actuality will emerge only short before the exhibition.

Politics, religion, sex.
Each of these pillars is an indicator of the openness of a society. The freedom with which art can and should deal with these questions is the ultimate mirror of a state.

Using the example of her native Russia, Klimentyeva investigates this question. A country headed by Vladimir Putin for years, homosexuality repressed by law, PornHub banned and dating apps like Tinder pass on intelligence to the intelligence services, religion also takes back a significant role after decades of communism. The state has been instrumental in promoting religion, including through legislation, which has been tightened dramatically to protect the faith and the church, especially after the advent of the “Pussy Riot” movement.

It’s the classic problem of a threefold constellation. When two parties ally, the third loses influence and becomes powerless. In this case, the alliance between politics and the church drastically reduces the personal and sexual freedom of Russian citizens. Moreover, the alliance of patriarchal politics with the at least as patriarchal church massively affected the social position of women. For example, domestic violence is rarely prosecuted.

An extreme case of splitting land and society is that of the murder of Mikhail Khachaturian by his three daughters Maria, Angelina and Krestina. The three Chatschaturjan sisters from Moscow, at the age of 17, 18 and 19 years old, were abused by their father for years until they killed him with a knife. The case causes outrage because the young women are now facing years of imprisonment. Part of the population sees in them icons of female resistance to patriarchal oppression, for the other part they are cold-blooded murderers. Solidarity expressions have been shown around the world, from American rock stars to St. Petersburg graffiti artists – rarely has a Russian criminal case attracted as much attention outside of politics as this process. “Self-defense is not a crime” is the credo of the supporters of the siblings.

Vienna-based artist Vera Klimentyeva picks up on this subject and treats her from both a woman’s point of view and the Russian perspective. In the course of her research, Klimentyeva also came across the 19 murders of women in Austria in 2019 and, in the exhibition at the 12-14 contemporary, she analyzes questions about the oppression and abuse of women, the associated trauma, and the Resistance of victims to their tormentors.

Instead, the gallery will be transformed from a white cube into a hall of mirrors, forcing every observer to face himself, questioning his own point of view. With this exhibition, the artist Vera Klimentyeva will turn back to her roots thematically and medially. In the Vienna years, she lives in Vienna since 2008, she has preferably dealt with printing techniques and performance. Now remembers her many years of experience in painting, transforming it into the 21st century by designing it in situ with the help of curator Jan Fiedler to make a Gesamtkunstwerk.

Die drei Säulen eines jeden Menschen und einer jeden Gesellschaft sind Politik, Religion und Sex.
Die russische Künstlerin Vera Klimentyeva fügt sie zu einer Vierten, der Säule der Kunst zusammen.

Eine Hauptaufgabe der Kunst, insbesondere in politisch aufgeladenen Zeiten wie diesen, ist eine kreative Reflexion aktueller Ereignisse. Dementsprechend kann dieses Konzept lediglich den Rahmen der Ausstellung im Mai 2020 definieren, da die gezeigte Kunst im Sinne einer maximalen Aktualität erst unmittelbar vor der Ausstellung entstehen wird.

Politik, Religion, Sex.
Jede dieser Säulen ist ein Indikator für die Offenheit einer Gesellschaft.
Mit welcher Freiheit sich die Kunst mit diesen Fragen auseinandersetzen kann und darf ist der ultimative Spiegel eines Staates.

Am Beispiel ihres Heimatlandes Russlands geht Klimentyeva dieser Frage nach. Ein Land, an dessen Spitze seit Jahren Vladimir Putin steht, Homosexualität gesetzlich unterdrückt wird, PornHub gesperrt ist und Dating Apps wie Tinder Informationen an die Geheimdienste weitergeben, nimmt zudem die Religion nach Jahrzehnten des Kommunismus wieder einen maßgeblichen Stellenwert ein. Der Staat fördert die Religion maßgeblich, unter anderem durch die Gesetzgebung, welche insbesondere nach dem Aufkommen der „Pussy Riot“ Bewegung drastisch zum Schutz des Glaubens und der Kirche verschärft wurde.

Es ist das klassische Problem einer Dreierkonstellation. Wenn zwei Parteien sich verbünden, verliert der Dritte an Einfluss und wird machtlos. In diesem Fall wird durch die Allianz von Politik und Kirche die persönliche und sexuelle Freiheit der russischen Bürger drastisch eingeschränkt.

Durch das Bündnis der patriarchalischen Politik mit der mindestens ebenso patriarchalischen Kirche wurde zudem die gesellschaftliche Stellung der Frau massiv beeinträchtigt. So wird häusliche Gewalt beispielsweise nur in den seltensten Fällen strafrechtlich verfolgt.

Ein extremer Fall, welcher Land und Gesellschaft spaltet ist jener des Mordes an Michail Chatschaturjan durch seine drei Töchter Maria, Angelina und Krestina. Die drei Chatschaturjan Schwestern aus Moskau, zum Tatzeitpunkt 17, 18 und 19 Jahre alt, wurden von ihrem Vater jahrelang missbraucht, bis sie ihn mit einem Messer töteten. Der Fall sorgt für Empörung, weil den jungen Frauen nun jahrelange Haft droht. Ein Teil der Bevölkerung sieht in ihnen Ikonen des weiblichen Widerstandes gegen die patriarchalische Unterdrückung, für den anderen Teil sind sie kaltblütige Mörderinnen. Weltweit wurden Solidaritätsbekundungen gezeigt, von amerikanischen Rockstars bis zu Sankt-Petersburger Graffiti-Künstlern – selten hat ein russischer Kriminalfall außerhalb der großen Politik so viel Aufsehen erregt, wie dieser Prozess. „Notwehr ist kein Verbrechen“ ist dabei das Credo der Unterstützer der Geschwister.

Die in Wien lebende Künstlerin Vera Klimentyeva nimmt diese Thematik auf und behandelt sie sowohl vom Stand- punkt einer Frau als auch aus der russischen Perspektive. Im Zuge Ihrer Recherchen stieß Klimentyeva zudem auf die 19 Frauenmorden in Österreich im Jahr 2019 und verarbeitet in den in der Ausstellung in der 12-14 contemporary  die Fragen nach der Unterdrückung und Misshan- dlung von Frauen, die damit einhergehenden Traumata sowie den Widerstand der Opfer gegen ihre Peiniger.

Dafür verwandelt sich die Galerie von einem weißen Kubus in einen Spiegelsaal, der jeden Betrachter dazu zwingt sich selbst ins Gesicht zu sehen, seinen eigenen Standpunkt zu hinterfragen. Mit dieser Ausstellung geht die Künstlerin Vera Klimentyeva thematisch und auch medial zurück zu ihren Wurzeln. In den Wiener Jahren, sie lebt in Wien seit 2008, hat sie sich vorzugsweise mit Drucktechniken und Performance beschäftigt. Jetzt geht sie zurück auf ihre langjährige Erfahrung in Malerei, transformiert diese ins 21. Jahrhundert, indem sie mit Hilfe des Kurators Jan Fiedler installativ in situ zu einem Gesmatkusntwerk gestaltet.