Vom Fliegen

Flugsimulationen zum Europäischen Monat der Photographie 2012

kuratiert von Barbara Höller & Denise Parizek

Schleifmühlgasse 12-14
Vernissage:6.11.2012 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 7.11.-1.12.2012

Pictures of the exhibition at Schleifmühlgasse 12-14

brick5 * Vienna
Opening: 20.10. 2012, 7pm
Duration: 21.10.-24.10.2012

Pictures of the exhibition at brick5

About Flying/Vom Fliegen
Abflug 6.11.2012 19 Uhr/departure 6.11.2012 7pm
 
„Herzlich Willkommen an Bord unserer EON International Airline. Schnallen Sie sich jetzt an und ziehen Sie Ihren Sitzgurt fest. ...Wir sind nun Startbereit und bitten Sie die Rückenlehnen Ihrer Sitze senkrecht zu stellen und die Tische vor sich zurückzuklappen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen einen schönen Flug mit uns.“ (Agnes Hamvas)
 
Wir verwandeln die Galerie in einen Flugsimulationsraum in dem Videos der KünstlerInnen gezeigt werden, die sich inhaltlich mit Flugobjekten, Flugverhalten und Flugsynonymen auseinandersetzen. Wir laden Sie herzlich ein an unserer Exkursion teilzunehmen.
Das Raumerlebnis soll ein Abheben suggerieren.
Die Flüge sind grundverschieden, die Präsentation einheitlich, die Interpretationsansätze vielfältig, die Flugzeit beträgt den gesamten November, die Destinationen sind variable.
 
Markus Guschelbauer sinniert über den Wunsch zu Schweben und den Versuch den kurzen Moment des Gleichgewichts zu finden und ihn zu halten.
 
Hubert Sielecki versucht ständig diese Fliege im Cockpit mit dem Mund zu fangen, was erst nach verschiedenen versuchen gelingt. Erst dann öffnet sich das Zoom langsam, um mehr vom Bild freizugeben. und dann versteht man auch den Grund dieses merkwürdigen Verhaltens.
 
Lise Lendais erzählt über Frauen, die gerne wegfliegen würde, aber nicht können. So bleiben sie und spielen, und spielen, und spielen die große Komödie des Lebens.
 
Marko Zink setzt der Bildregie der “inszenierten Fotografie” eine sehr subjektiv motivierte, fast private Dinglichkeit entgegen, die nicht wie die inszenierten Standbilder in die Mechanismen eines Fotorealismus umgemünzt werden kann, sondern im Gegenteil dem Sujet der nature morte der abendländischen Kunstgeschichte eine poetische Dinglichkeit abringt, die nur für eine begrenzte Zeit den Auslöser dingfest zu machen scheint, das heißt, auch seine Auflösung, seine Entdinglichung beinhaltet.
 
Für Stefan Arztmann und Constantin Luser ist es das Tagebuch einer Seelenreise im endlosen Zyklus der Reinkarnation und Lena Lapschina verfolgt ein ungreifbares Wesen, das im Baum hängt, nicht Mozarts Papageno, aber auch kein Vogel.
 
Anna Watzinger begegnet mit ihrem Camcorder einem „polyolefinen Objekt“ und einer gerichteten stärkeren Luftbewegung in der Atmosphäre und Marcus Zobl sieht das Leben als eine Einbahnstraße, in der nur ein Weg nach oben führt.
 
Im brick5 werden Ballons wie Luftblasen montiert und als Projektionsfläche genutzt. Diese erzeugen Images von Luft, Flug, Schwerelosigkeit, Geschwindigkeit, Bewegung. 
Durch den Aufbau dieser dünnen Folienblasen erzeugen wir eine Art Schwerelosigkeit, die in den Arbeiten der KünstlerInnen verdoppelt wird. Der Raum ist nur durch die Projektionen beleuchtet. Die festgelegte Struktur des Raumes soll dadurch aufgehoben werden. Für die Rezipienten entsteht der Eindruck von Schweben.
 
Und wenn die Turbulenzen zu groß werden, singen wir frei nach Monty Python und Astrid Sodomka:
 
„This parrot is no more! He has ceased to be! ‚E‘s expired and gone to meet ‚is maker! ‚E‘s a stiff! Bereft of life, ‚e rests in peace! If you hadn‘t nailed ‚im to the perch ‚e‘d be pushing up the daisies! ‚Is metabolic processes are now ‚istory! ‚E‘s off the twig! ‚E‘s kicked the bucket, ‚e‘s shuffled off ‚is mortal coil, run down the curtain and joined the bleedin‘ choir invisibile!! THIS IS AN EX-PARROT!!“
 
Wir hoffen Sie hatten einen guten Flug. Genießen Sie Ihre Zeit in der Schleifmühlgasse 12-14 und im brick5 und wir hoffen Sie buchen bald wieder bei uns.
 
 
Kommentar der Bewertungsseite von Tiberius Stanciu
„Alles in Allem finde ich war es ein “Super Urlaub” .
10 Personen fand(en) diese Bewertung hilfreich. Ich kam im Oktober aus dem Mistral Hotel Maleme zurück. Was soll ich sagen, ich hatte den besten Urlaub schlechthin. „


Die Arbeiten sind von Astrid Sodomka, Lise Lendais, Agnes Hamvas, Lena Lapschina, Anna Watzinger, Tiberius Stanciu, Marcus Zobl, Marko Zink, Barnabas Huber, Markus Guschlbauer.

Die Ausstellung ist 24 Stunden sichtbar, da es sich bei dem Galerieraum um ein großes Schaufenster handelt. Von Donnerstag bis Samstag ist die Galerie geöffnet und die Besucher können in die Flugwelt eintauchen.

       

  


  

   

 

Geschichten vom Fliegen

Schon seit vorgeschichtlicher Zeit strebte der Mensch dem Wunsch zu fliegen entgegen.
Dädalus gelang es in der Sagenwelt, seinem Sohn Ikarus Flügel aus Federn und Wachs zu bauen, um diesen Traum zu realisieren. Ikarus kam jedoch der Sonne zu nahe und stürzte ab.
Der englische König Bladud kam bei einer Bruchlandung auf dem Appollotempel, wo sich heute London befindet, ums Leben.
1680 wies Borelli wissenschaftlich nach, dass ein Mensch ohne mechanische Hilfsmittel nicht fliegen kann. Leonardo da Vinci (1452-1519) hatte allerdings schon vorher Zeichnungen eines Flugapparats entworfen, der als Antrieb Beine und Arme benutzte, die über Seile und Hebel, Flügel betätigten.
Im Jahre 1250 beschäftigte sich aber schon ein engl. Mönch namens Roger Bacon, zum ersten Mal mit Ballonen und Luftschiffen, die leichter als Luft waren.
Da zu jener Zeit die meisten Gelehrten Angehörige der Klöster waren, waren diese auch die Zentren der Wissenschaft und Forschung. Die meisten überlieferten Theorien stammten daher auch von Mönchen und Priestern. Francesco di Mendoza, der 1626 starb, nahm an, daß ein Holzschiff durch die Luft fliegen konnte, wenn man es mit „elementarer Luft“ füllte.
Kurze Zeit später entwickelte John Wilkins, Bischof von Chester, Bacons Idee weiter. Er behauptete, dass ein Gegenstand gefüllt mit Luft aus der oberen Schicht, diesen zum Fliegen bringen konnte. Man wußte zur damaligen Zeit schon, daß die Luft der oberen Atmosphäre dünner als die der unteren ist. Man experimentierte daher mit Eierschalen, wegen ihrer leichten Konsistenz, und füllte diese mit Wasserdampf. Diese sollten dann bei Sonneneinwirkung wie der morgendliche Tau aufsteigen.

Der Jesuitenpriester Francesco de Lana-Terzi, nutzte die Erkenntnisse Otto von Guerickes, der schon 1650 die Luftpumpe erfand. Er wollte mittels einen Vakuums Gegenstände zum fliegen bringen. Das mittels der Luftpumpe erzielte beinahe Vakuum war leichter als die umgebende Luft. Er wollte hierzu extrem leichte und dünne Kupferkugel einsetzen und die in diesen enthaltene Luft mittels der Luftpumpe entziehen. Leider gelangte er hierbei schnell in einen Teufelskreis denn zahlreiche Versuche und exakte Kalkulationen bewiesen, daß die Kugeln, die dünn und leicht genug waren zu fliegen, beim Luftentzug unter dem hohen Luftdruck zerbarsten. Bei einer Verstärkung waren sie wiederum zu schwer.

Einer erfolgversprechenden Lösung kam erst der brasilianische Priester 1709, Bartholomeu Lourenco de Gusmao, auf die Spur.  Gusmao entfachte in einem seiner Flugapparate ein Feuer. Das Flugmodell hob sofort vom Boden ab und segelte durch die Luft. Sein Flug wurde gestoppt, als es versehentlich gegen einen Vorhang stieß. Der Absturz setzte die Vorhänge und das Mobiliar in Brand.
1783 wurde dann von den Gebrüdern Montgolfier der erste wirklich einsetzbare und brauchbare Heißluftballon entwickelt. Sie behaupteten, daß durch Verbrennen von Wolle und Stroh sich unter dem Ballon ein ganz spezielles „Montgolfierisches Gas“ entwickelte das wiederum den Ballon zum Fliegen brachte. Dieses Gas war allerdings nichts anderes als heiße Luft, die sich beim Erhöhen der Temperatur immer mehr verdünnte, dann aufstieg und den Ballon mit sich nahm. Heißluft wurde bald danach durch „Wasserstoff“ ersetzt bzw. später durch das wesentlich billigere Steinkohlegas im 19. Jahrhundert.
Jedoch waren diese Ballone nichts anderes als ein Spielball des Windes, der diese forttrug und sie bald danach zu sinken begannen.

Die Geschichte von Flugobjekten begleitet die Entwicklung der Menschen, heute ist es für uns völlig normal, ein fliegendes Verkehrsmittel zu besteigen, um Strecken zu überwinden.
Mittlerweile können wir auch das All bevölkern, weil unseren Flugobjekten kaum mehr Grenzen gesetzt werden.

 

History of Flying

Since prehistoric times, mankind has wished to fly.
Daedalus succeeded in the legends, to build wings from feathers and wax for his son Icarus, and so to realize this dream. Icarus, however, came too close to the sun and crashed.
In another legend the English King Bladud crashed in a landing on the Appollotempel where now London is and died. In 1250, a busy English Monk named Roger Bacon, experimented for the first time with balloons and airships, which were lighter than air.
Most traditional theories came from monks and priests since monastries were the centers of science and research of those times.
A short time later  John Wilkins, Bishop of Chester, further developed Bacon‘s idea. He claimed that an object filled with air from the upper layer, could bring it to fly. It was known at that time already, that the air of the upper atmosphere is thinner than at groundlevel. They experimented with egg shells, because of their light consistency, and filled it with water vapor. Thus it should then rise while exposed to the sun just like the morning dew.

Leonardo da Vinci (1452-1519), designed a flying machine with wings operated by ropes and levers,
Francesco de Mendoza, who died in 1626, asserted that a timber ship could fly, when filled with „elementary air “.
1680 Borelli explained scientifically, that a man can not fly without mechanical assistance.

The Jesuit priest, Francesco de Lana-Terzi, used the findings of Otto von Guericke, who invented the air pump in 1650. He wanted to fly using evacuated objects.
The result obtained by the vacuum pump was lighter than the surrounding air. He wanted to use his extremely light and thin copper sphere evacuating the air with the air pump.
Numerous attempts and exact calculations proved that the bullets  were thin and light enough to fly, but shattered after the air removal from the high pressure of the surrounding air.  At a gain of wallthickness they were again too heavy.
One promising solution came first in 1709, from the Brazilian priest  Bartholomew Lourenco de Gusmao. Gusmao ignited a fire in one of his flying machines. The flight model immediately lifted off the ground and sailed through the air. His flight was stopped when it accidentally collided with a curtain. The crash put the curtains and the furniture on fire.

1783 the brothers Montgolfier, then developed the first truly usable and useful hot air balloon. They claimed that by burning wool and straw under the balloon a very special „Montgolfieric gas“ developed and brought the balloon to fly. This gas, however, was hot air. Air dilutes with increasing temperature more and more, and  takes the balloon with it. In the nineteenth Century hot air was replaced by „hydrogen“ or later by the much cheaper coal gas .
However, these balloons were nothing more than a playthings of the wind, carryied away by, and abandoned to the wind soon to go back on descent.
The history of flying objects accompanied the development of mankind, today it is completely normal for us to get on a flying machine to overcome distances.

Meanwhile we can also populate the universe, because our flying objects know not set limits.